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Tipps

Drei Ärzte, die ihre Praxisgründung bereits erfolgreich hinter sich gebracht haben, berichten von ihren Erfahrungen.
E
rfahrungsberichte
So wie man in der Regel nur einmal im Leben ein Haus baut, so ist auch die Praxisgründung ein Ereignis, das man als Arzt selten zweimal erlebt. Viel lernen kann man von Kolleginnen und Kollegen, bei denen diese Erfahrung noch nicht so weit zurückliegt.

“Plötzlich Unternehmerin” – Dr. Isabella Galid-Lobmeyr
Seit Jänner 2013 Gynäkologin mit allen Kassen in Wien/Ärztezentrum Siebenhirten; davor Wahlärztin im 2. Bezirk und Oberärztin im Landesklinikum Korneuburg.

Ob man eine Wahlarzt- oder Kassenpraxis eröffnen möchte, macht aus meiner Sicht nicht den großen Unterschied. In beiden Fällen entscheidet man sich für den Weg in die Selbständigkeit. Auch im Spital galt es natürlich bürokratische Arbeiten zu erledigen. Trotzdem war man vorrangig Arzt. Wenn man sich in der freien Praxis niederlässt, wird man hingegen Unternehmer. Darauf sind Ärzte in der Regel nicht vorbereitet – wir haben im Zuge unserer Ausbildung nichts rund um Unternehmensgründungen gelernt. Umso wichtiger ist, dass wir uns maximale Unterstützung holen. Die Krankenkassen laden zu Infotagen, bei denen Praxisgründer ins Kassenwesen eingeführt werden. Bei Wahlärzten fällt der Rückhalt durch den Kassenvertrag weg – sie sind daher teilweise noch größere “Einzelkämpfer” als ihre Vertragsarztkollegen. Besucht werden können zum Beispiel die Praxisgründungsseminare der Ärztekammer.

Praxisplanung. Ein wichtiger Helfer zu Beginn ist der Steuerberater, mit dem man einen Business-Plan erstellen sollte. Unter dem Motto: Was hat man? Was braucht man? Und wie kann sich die Finanzierung gestalten? Wenn man – so wie ich -nicht eine Ordination übernimmt, sondern sie neu gründet, hat man auch die Qual der Wahl bezüglich Standort und Immobilie. Ich habe meine Ordination – unterstützt von der Bauaufsicht des Ärztezentrums – komplett selbst geplant. So wie es Wedding-Planer gibt, gibt es auch Praxis-Planer, auf die man setzen kann. Bei der Praxiseinrichtung gilt es zu überlegen, welche medizinischen Geräte man unbedingt von Beginn an braucht und welche “Spielsachen” man sich später noch leisten kann.

Beste Konditionen? Viel Zeit und Geduld sind für die Gespräche mit Banken notwendig. Ich fühlte mich dabei teilweise im Stich gelassen, weil ich wie eine Bittstellerin behandelt wurde, nicht wie eine gute Kundin, die eine florierende Ordination haben wird. So muss man sich Informationen von vielen Seiten einholen, um schließlich einen Kredit mit zufriedenstellenden Konditionen zu bekommen. Ein guter Versicherungsberater ist ebenfalls unerlässlich: Um überhaupt einen Kredit aufnehmen zu können, braucht es eine Lebensversicherung. Sinn macht auch eine Berufsausfallversicherung.

Administrative Bürden. Ganz neu – wenn man sich für die Selbständigkeit entscheidet – ist, dass man zum Arbeitgeber wird, also eine Personalführung übernimmt. Bei den vielen administrativen Aufgaben, die es zu erledigen gilt, sollte man gut überlegen: Was lässt man sich machen? Was erledigt man selbst? Ich mache zum Beispiel die Buchhaltung selbst -das bedeutet jedoch schon viele Stunden Arbeit zusätzlich. Entscheiden muss man sich auch für eine Computersoftware, die up to date ist. Wichtige Fragen sind im Zusammenhang mit der EDV-Ausstattung: Wie viele Arbeitsplätze brauche ich? Welche “Connections” sind notwendig?

Positionierung. Last, but not least ist ein gewisses Marketing zu Beginn unerlässlich. Es empfiehlt sich, Medienvertreter zur Eröffnungsfeier einzuladen und rund um den Praxisstart Inserate in den Bezirkszeitungen zu schalten. Dabei kommt man um die Grundsatzüberlegung nicht herum: Wie will ich mich positionieren? Diese Positionierung sollte sich dann auch in einer gut gestalteten Homepage widerspiegeln.

Quelle: Ärztemagazin vom 18.09.2014

 

“Bei Vertretungen lernen” – Dr. Helmut Benjamin Huss
Allgemeinmediziner mit Kassenordination in Frauental (Stmk./Bezirk Deutschlandsberg) seit Juli 2013;

Praxisneugründung. Mein Vorgänger ging mit 31. Dezember 2012 in Pension, seine Ordination wurde geschlossen. Die Bevölkerung in Frauental war sechs Monate ohne lokale ärztliche Betreuung und wurde von den Kollegen in der Umgebung mitversorgt. Ich musste daher eine Praxis komplett neu eröffnen. Da neue Ordinationen barrierefrei sein müssen, habe ich mich für den Umbau eines Fitnessstudios entschlossen, bei dem diese Barrierefreiheit gegeben war. Wenn irgendwie möglich, rate ich niederlassungswilligen Kollegen jedoch zur Übergabepraxis ohne Latenzzeit. Ein nahtloser Übergang hat für beide – Arzt und Patient – große Vorteile.

Eine gute Mixtur. In puncto Praxisorganisation finde ich am wichtigsten, dass man sich Informationen von den Kollegen in der Umgebung einholt. Und dass man sich bei Praxisvertretungen anschaut, wie andere arbeiten. Ich habe sowohl meinen Vater als auch andere Ärzte lange vertreten – und achte bei meiner Praxisorganisation auf eine gute Mixtur aus dem Gesehenen. Auch in puncto Leistungskatalog habe ich mir genau angeschaut, was die Kollegen der Umgebung anbieten, und einen eigenen Mix zusammengestellt. Wobei ich eine rein schulmedizinische Praxis habe, mich also auch am Leistungskatalog der Kassen orientieren konnte.

Interne & externe Helfer. Mein Praxisteam habe ich durch Mundpropaganda gefunden. Das ist am Land oft der bessere Weg, als auf Inserate zu setzen. Am Anfang braucht es Geduld, bis sich alles einspielt. Externe Hilfe habe ich keine hinzugezogen. Wichtig ist natürlich schon, dass man sich eine vernünftige Bank für die Praxisfinanzierung sucht. Mit seinem Berater sollte man offen besprechen können, was möglich und sinnvoll ist.

Nähe & Präsenz. Frauental ist eine unter-3.000-Einwohner-Gemeinde, ich gelte also als Landarzt. Da unsere Ortschaft an die Bezirkshauptstadt Deutschlandsberg angrenzt, fühle ich mich zwar nicht als typischer Landärztevertreter. Dass man Nähe und Präsenz zeigt, ist aus meiner Sicht jedoch wichtig, wenn man sich als Arzt in einer ländlichen Gemeinde niederlässt. Ich wohne mit meiner Familie im Nachbarort. Werbung für die Ordination zu machen war nicht notwendig. Es hilft, wenn man Gemeinde-und Pressevertreter zur Praxiseröffnungsfeier einlädt. Die Praxishomepage dient vorrangig der Information der Patienten.

Quelle: http://www.diefrauenaerztin.at

 

“Landarzt sein ist anders” – Dr. Claudia Gebhart
Allgemeinmedizinerin mit allen Kassen in Arzl (Pitztal, Tirol) seit 2010;

Übernahmepraxis. Ich wurde gebeten, die Ordination 2010 dringend von meinem Vorgänger zu übernehmen, der in Pension ging. Davor habe ich zwar Praxisvertretungen im Tiroler Oberland gemacht, aber erst seit drei, vier Monaten. Arzl war einen Monat lang ohne Arzt, bis alle Formalitäten und Vorbereitungen meinerseits wie Anmeldung bei der Ärztekammer, Installation des e-card-Systems oder Einrichtung des Computers erledigt waren. Das EDV- Programm konnte ich von meinem Vorgänger übernehmen, ebenso den Patientenstamm. Ich kannte aber niemanden im Ort, da ich in Landeck wohne und gut 20 Minuten ins Pitztal fahre. Man muss sich in so einem Fall schon auf eine aufregende erste Zeit einstellen.

Wertschätzung. Gelernt habe ich, dass der negative Beigeschmack, den man in Krankenhäusern über die Hausärzte mitbekommt, nicht gerechtfertigt ist. Die Verantwortung, die man als Landarzt jeden Tag trägt für seine Patienten, ist enorm groß – man sollte den Beruf entsprechend würdigen.

Warum sich trauen? Die Arbeit selbst ist sehr schön und extrem vielseitig. Die Patienten sind natürlich großteils liebenswürdig und dankbar -wobei man es sich schon mit manchen richten muss. Man hat ja die freie Patienten-und Arztwahl. Im Krankenhaus wäre es manchmal sicher einfacher. In der Praxis kann man sich dafür die Zeit ein bisschen besser einteilen. Nachtdienste muss ich Gott sei Dank keine machen.

Interne Unterstützung. Die Arbeitstage sind lang. Seit wir ein Altersheim in Arzl bekommen haben, muss ich fast 50 Patienten dort zusätzlich betreuen. Ich mache das in meiner früheren Mittagspause, in der ich auch auf Visiten im Tal bin.

Sehr wichtig ist für mich, dass ich mir einen netten Betrieb und ein familiäres Verhältnis mit den Assistentinnen geschaffen habe. Denn allein auf sich gestellt ist es schwer, all die Arbeit und Verantwortung auf einen Nenner zu bringen. Die Assistentinnen unterstützen mich sehr.

Patienten Grenzen setzen. Die Unterschiede zwischen Land-und Stadtpraxis sind groß. Man hat sehr viele Visiten und legt dafür weite Strecken zurück. Viele Patienten sind aus bäuerlichem Bereich und wollen möglichst nicht ins Krankenhaus, sondern zu Hause bleiben. Man muss als Arzt schon auch lernen, Grenzen zu setzen. Ich sage: Ein 30-Jähriger mit leichtem grippalem Infekt braucht im Regelfall keine Visite. Und wer es zum Friseur und in die Kirche schafft, sollte es auch zu mir in die Ordi schaffen.

Quelle: http://www.dr-huss.at